Einen Tag habe ich gebraucht, um mich an das entspannt beschraenkte Leben hier an der Kueste zu gewoehnen: Schlafen, Chillen, Lesen, Sonnen, Baden und guten Fisch essen...wahrlich eine harte Sache. Doch mittlerweile kann ich wieder geniessen, es gefaellt mir richtig gut, auch weil ich gestern eine schoene Tour an die 40 km entfernte Isla de la Plata mitgemacht habe. Eine 3-stuendige Wanderung mit Vogelbeobachtung und Schnorcheln stand auf dem Programm, dazu jeweils eine 1 1/2-stuendige Bootsfahrt auf dem offenen Meer, was ich auch immer sehr geniessen kann...im Gegensatz zum jugendlich-obercoolen Ecudorianer, der auch mit an Bord war und sein Gatorade und Chips-Mix erstmal wieder schoen Neptun gespendet hat. ;) Ja, er ist auch einer von der einheimischen Urlaubsschar, die hier in den letzten Tagen ueber die Karnevalsferien eingefallen ist. Schon witzig, aber eben auch laut, dreckig und die Preise in die Hoehe treibend. Heute ist allerdings Feierabend, morgen muessen alle wieder arbeiten, heisst grosser Abreisetag. Was auch der Grund ist, warum ich heute noch hier bleibe und morgen erst ins beruehmt-bereuchtigte Hippie-Surf-Doerfchen Montanita gehe. Habe hier ein billiges Bett in einem entspannten Hostal gefunden, eine Resefreundin wiedergetroffen und warte also den heutigen Touristen-Massen-Logistik-Tag noch ab, bevor es dann morgen frueh hoffentlich entspannt und guenstig zu Bambushuette und Surfbrett geht!
Und zum Abschluss Abendessen bei einem der besten Italiener jemals...
Nachdem ich meine Krankheit endlich in die Schranken gewiesen hatte, Donnerstag ein Festessen mit mir allein im teuersten Restaurant der Stadt zelebriert hatte und im Internet-Café meiner neuen Freunde aus Latacunga die deutsche Ehre im Tischtennis verteidigt hatte, ging es gestern los mit der grossen Reise an die Kueste. Die erste ueberraschend grosse Huerde, die es zu ueberwinden gab, war meine eigene Angst oder vielmehr Angespanntheit, es faellt schwer, das nach dem Diebstahl-Vorfall wieder abzulegen und eine offene Einstellung gegenueber den Einheimischen einzunehmen, so wie ich es immer versucht habe und auch von mir erwarte.
Auf eher atouristischem und direktem Wege ging es also Richtung der Kuestenstadt Puerto Lopez. Eindrucksvoll und atemberaubend sollte es werden, aus gleich zweierlei Gruenden: einmal landschaftlich, mit dem Bus die Anden zu ueberqueren und dann im subtropischen Tiefland rauszukommen, hat schon was. Womit wir auch gleich beim zweiten Grunde waeren: die Strasse nach unten war naemlich groesstenteils unbefestigt und ein einziges Schlammloch. Das waere dann der Teil mit atem(be)raubend. ;) Uebernachtet habe ich dann in einer billigen Absteige in der reisefuehrertechnisch voellig unbefleckten Kleinstadt Portoviejo, bevor es dann heute morgen mit den letzten zwei Busse direkt ans Meer ging. Ploetzlich hat der vergammelteste Bus dann auch einen Quiksilver-Aufkleber und die halbe Mannschaft im Bus ist mit Badesachen ausgeruestet...ich bin richtig! Auch wenn zu einer nicht ganz ungeschickten Zeit: es ist Karneval, die Einheimischen haben Ferien und stroemen an die Kueste. Nicht, dass mir das was ausmachen wuerde, nur fuer die Zimmer-Situation ist das nicht ganz so gesund. So muss ich die traumhaften, aber ueberbelegten Bambushuetten erstmal beiseite lassen und mich mit einem ueberteuerten und verhaeltnismaessigem "Loch" zufrieden geben. Immerhin, das Lebensgefuehl "Strand am Meer" kann ich deswegen trotzdem atmen. Und zwei Wochen hab ich ja noch...
bevor es nach Hause geht. Ja, richtig gehoert, naechsten Monat hat mich Villingen wieder. Der Gedanke, etwas frueher heimzukehren schwebte schon laenger in meinem Kopf umher und haengt nur sekundaer mit den unfreudigen Ereignissen der letzten Wochen zusammen. Ich bin einfach reisemuede, mag nicht mehr, sehne mich nach zu Hause. Das richtige Reisefieber ist weg, einer Sehnsucht nach Familie, Freunde und einem Zuhause gewichen. Daher habe ich mich entschieden, Anfang naechsten Monats, nach noch 2 Wochen Beach, heimzufliegen. Ich habe mir das immer offen gelassen und fuehle mich sehr, sehr gut damit. Und auch wenn das alles noch nicht ganz zu realisieren und vorstellen ist, ich freu mich drauf!
Nachdem meine Magen-Darm-Beschwerden im Anschluss an meinen Ausflug zum Kratersee von Quilotoa sich erneut verschlechterten, bin ich nun gestern in die Klinik von Latacunga. Die gute Nachricht ist, ich habe keine Parasiten. Allerdings eine Infektion. Heißt 3 Tage Diät und 7 Tage Medizin. Dem Umstand, dass ich diese Diät (Bananen-/Karotten-Püree, gekochtes Fleisch, Apfel, Tee und Wasser) ohne Küche überhaupt nicht verwirklichen könnte, sprang ein sehr großer Glücksfall (ich hatte an sowas schon nicht mehr wirklich geglaubt ;)) zur Seite: Die junge Ecuadorianerin, die hier im hostal angestellt ist und mich auch beim Arztbesuch begleitet hat, möchte mir helfen und hat sich bereit erklärt, für mich in ihrem Haus zu kochen. Wahnsinnig nett! Ich habe leicht verschüchtert angenommen und so sind wir dann gestern zusammen auf den Markt und haben die nötigen Zutaten besorgt. Danach ging es dann in ihre Wohnung, wo sie mit ihrem Mann und ihrer supersüßen, 3-jährigen Tochter (die größten braunen Augen, die ich je gesehen habe!) wohnt. Die beiden betreiben eine kleine Schule und ein Internet-Cafe und sind wirklich sehr, sehr nett. Es ist schon eine ein bißchen absurde Situation, aber Janina hat sich gestern fast ein bißchen wie eine Mutter um mich gekümmert, dabei ist sie ein Jahr jünger als ich! :) Ich bin ihr sehr dankbar dafür, auch nachdem es mir Sonntag-Nacht und gestern morgen echt nochmal richtig dreckig ging. Vor dem Abendessen gestern hab ich dann auch noch fast die ganze Familie kennenlernen dürfen und hab gleich noch die zweite Klinik in Latacunga von innen sehen dürfen. Die kleine Danela hat auch eine Infektion und wir haben sie vom Arzt abgeholt. Gestern bin ich dann totmüde, aber glücklicher ins Bett gefallen. Und was soll ich sagen: Ich hab geschlafen wie ein Baby, keine Probleme mit nächtlichen Toilettengängen. So ging es mir dann heute morgen wirklich ein gutes Stück besser! Nach einem erneuten Mittagessen bei Janina stand dann die nächste Aufgabe an: Anwalt, Aufnahme des Diebstahls zwecks Schreiben für die Versicherung. Ich hatte erwartet, dass das nicht ganz so einfach wird und nachdem es gestern aus zeitlichen und heute morgen aus Gründen zu großen Andrangs nicht geklappt hat, war ich auf einiges vorbereitet. Doch was da dann für ein Schauspiel ablief, war fast schon wieder witzig. Saulo, ein Angestellter des hostals und ich sind also zu diesem "Anwalt". Eine komprimiertere Mischung aus Arroganz, Unfreundlichkeit, Lustlosigkeit und Dummheit hab ich selten erlebt. Da kann man deutsche Beamten ohne weiteres als hochintelligente Samariter feiern! Aber das scheint hier normal zu sein, diese Schicht hält sich hier in Ecuador allgemein wohl für etwas sehr viel Besseres. Sollen sie meinetwegen, aber dieser Typ, der konnte dazu noch nicht einmal korrektes Spanisch auf seinem PC schreiben. Vielleicht war es ihm aber auch einfach egal. Nach langwierigem Hin- und Her haben wir es dann aber geschafft, ihm einen einigermaßen akzeptablen Bericht abzuringen. Auch wenn ich den erst morgen in Kopie beantragen muss und dann erhalte. ;) Oh mann. Wünscht mir Glück!