Mittwoch, 21. Oktober 2009

Entdecker im Regen...und an der Bushalte!

Heute gab es die volle Ladung sight-seeing! Kurz nach dem Frühstück mache ich mich auf, mit der Straßenbahn soll es in den Stadtteil Belem, dem wohl wichtigsten kulturellen Zentrum Lissabons, gehen. Die ersten Highlights warten bereits an der Haltestelle. Wie so oft an diesen Orten, an denen es Richtung eines touristischen Highlights geht, könnte ich Tage hier verbringen. Alltags-Comedy at his best. Was die Leute sich (im Voraus) für einen Stress geben, das ist nicht mehr feierlich. Ist das auch die richtige Haltestelle? Wo genau muss man einsteigen? Und wo kriegen wir denn jetzt die Karten, Herrgott?! Ich frage mich, was die alle mit ihren in hoher Anzahl vorhandenen Karten, Reiseführern und sonstigen Hilfsmittel anstellen. Da steht alles drin. Wenn sie das alles lesen, kennen sie sich mit dem Verkehrsnetz besser aus als die Hälfte aller Lissabonner. Allerdings, die können dafür auch zaubern: Bei meiner Ankunft dauert es laut Informations-Tafel noch 14 Minuten bis meine Linie 15 kommt, die Linie 25 braucht noch 8 davon. Eine Minute später: die Linie 25 kommt an, und meine Tram steht in sieben Minuten bereit. Wow! Ich freu mich schon auf Südamerika... :-) Den Höhepunkt bringt dann aber eine gerade angekommene Deutsche. Circa 30 Leute stehen an der Haltestelle rum, einfach so. Sie: "So, und wo ist jetzt hier das Ende der Schlange?" Ich hätte sie umarmen können für diese Pointe.
Der weitere Tag steht dann ganz im Zeichen der berühmtesten Söhne des Landes, den Seefahrern und Entdecker. In der Kirche des beeindruckenden Hieronymus-Klosters von Belem besichtige ich das Grab von Vasco da Gama, danach geht es zum Denkmal der Entdeckungen direkt am Ufer des Tejo. Zahlreiche berühmte Seefahrer sind von hier bzw. dem nahegelegen Hafen aufgebrochen, die neue Welt zu entdecken. Nach einem unfreiwillig langen Aufenthalt im Torre de Vasco da Gama -es fängt plötzlich wie aus Kübeln an zu regnen- mache ich mich auf zum nahe gelegenen Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Für umsonst (!) schaue ich mir drei momentan laufende Austellungen an. Abwechslung ist geboten: Musik (Amalia Rodrigues, die berühmteste Fado-Sängerin Portugals), Photographie/Geschichte (Mikael Levin: "Christina") und Design/Zeit ("Quick, Quick, Slow"). Und das alles für umsonst! Da muss man den Portugiesen ein dickes Lob ausprechen. In den zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten bekommt man als Student immer mindestens 50 % Rabatt. Erschöpft und mit nassen Füßen, aber glücklich mache ich mich auf den Heimweg ins Hostel. Und nach einer aufgewärmten Pasta und dieser Musik schläft es sich sicher gut...



Dienstag, 20. Oktober 2009

Lisboa

Nach wilder Geburtstagsfeierei mit äußerst internationaler Beteiligung -über den Daumen gepeilt waren stolze 8 Nationen vertreten- und einem Sonntag, dem ich nur sehr wenig Tageslicht abgewann, wollte ich mich gestern dann wieder "on tour" begeben. Leichter gesagt als getan. Nach einem leckeren selbstgemachten Abendmahl und einer reichlichen Packung Schlaf fühle ich mich morgens trotzdem irgendwie zerknautscht. So komisch es klingt, doch das "Nichts-Tun" hier macht mir doch etwas zu schaffen. Auf dem Jakobsweg, da existierte immer eine Art Aufgabe, jeden Tag von Neuem loszugehen, das große Ziel vor Augen. Im Moment nun ist absolutes easy-going angesagt, man schwebt irgendwo zwischen entspanntem Hostel-Leben, Bummeln durch schöne Städte und gewissenhaftem Nichtstun. Und wie der Mensch so ist, nichts kann man ihm recht machen. Gegen Ende des Jakobsweg ging mir dieses "Unentwegt-Unterwegs"-Leben teilweise dann doch hin und wieder auf den Keks, und andersrum verhält es sich jetzt. Einfach Urlaub, das will noch nicht so wirklich in meinen Kopf und Körper rein. Und ich bin mir auch jetzt schon sicher, dass ich die Monate meiner Reise durchaus alternativ zum momentan legeren backpacker-Leben gestalten will und muss.
Angefangen wird damit heute, und meine Potographie-Touren bieten sich dafür wunderbar an. Heute will ich mich durch meine "Heimat-Viertel" Barro Alto aufmachen. Nach einem kaffelastigen und einem eben etwas langwierigen In-die-Gänge-Kommen schaffe ich es bis ins berühmte Café "A Brasileira" gleich hier um die Ecke. Nach der erneut bitteren Erkenntnis, dass südeuropäische Bedienungen das Wort Service vermutlich nicht einmal buchstabieren können und einer halben Stunde Wartezeit, genieße ich dann zusammen mit Alexia und Fernando Pessoa meinen Galao und ein Pasteis de Nata. Doch der Reihe nach. Alexia, das ist eine Pilgerfreundin, mit der ich mich hier in Lissabon wieder verabredet habe und die sich für zwei Nächte im gleichen Hostel wie ich eingenistet hat. Fernando Pessoa, das ist einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter Portugals -mit einem übrigens äußerst spannenden Werk- und war zu Lebzeiten Stammkunde im "A Brasileira". Heute leistet er als Bronze-Statue den Café-Gästen nach wie vor Gesellschaft. Die wierderum trinken Galao, einen portugiesischen Milchkaffee im Glas und naschen kleine Puddingtörtchen mit Zimt obendrauf, eben Pasteis de Nata.
Nach dieser Kalorienbombe gehts dann aber los, durch die kleinen Gassen und Strässchen des Barro Alto-Viertels. Wo nachts das Nachtleben regelrecht explodiert (Danny G. berichtete :-)), gibt es tagsüber unzählige mega-stylischer Shops zu entdecken. Vor allem klamotten- und schuhtechnisch könnte ich hier, bei damit einhergehender Budget-Sprengung so richtig zuschlagen. Aber nein, nur schauen, ncith kaufen. Und fleißig die unzähligen Street-Art, von der ich großer Fan bin, photographieren...
Heute gibt es zum ersten Mal seit langem wieder Regen, und ich entschließe mich zu einem Museums-Tag. Das Kino-Museum ist leider aufgrund mangelnden Inhalts nicht wirklich als Museum zu definieren, im riesigen und recht berühmten historischen Kunstmuseum "Calouste Gulbenkian" habe ich dann aber mehr Glück.
Nun sitze ich im Wohnzimmer meines tollen Hostels, in dem ich gerade nochmal für 3 Nächte verlängert habe. Nach einem kleinen Abend-Snack wird noch ein bißchen Pixel geschoben und auf besseres Wetter gehofft - morgen soll es nämlich in den sehenswürdigkeit-reichen Stadtteil Belem gehen. Liebe Grüße an Euch!


Galao mit Pessoa

Es wird philosophiert...



Ich liebe Liebe zu dritt!





Ein seltener Gronmaier im Museu de Calouste Gulbenkian

Montag, 19. Oktober 2009

Erster Reisebericht auf Südkurier Online

Seit heute gibt es einen ersten zusammenfassenden Reisebericht inklusive Photostrecke von mir auf der Südkurier-Homepage zu lesen. Also, fleißig hier klicken und lesen!